4. Optimieren

Wenn du all deine Zahlungsein- und -abgänge erfasst und unnötige Geldfresser erkannt und ggf. schon beseitigt hast, geht es an die Optimierung deiner Ausgaben und deines Sparverhaltens. Die folgenden Methoden helfen dir einerseits, Schulden zu vermeiden und außerdem, ein eigenes Vermögen durch Sparpläne aufzubauen:

1. Mehrkontenmodell

Wir möchten dir nun einen Weg vorstellen, mit dem du zuverlässig deine Fixkosten ohne Zuhilfenahme deines Dispos bezahlst und dir nie wieder Monate bevorstehen werden, in denen besonders viele oder teure Beiträge fällig sind. Hierfür trennen wir deine Fixkosten von dem Rest deiner Ausgaben und teilen beides auf verschiedene Konten auf.

Aufbau des Mehrkontenmodells

Auf deinem Fixkostenkonto gehen monatlich all deine Einkünfte ein und alle Fixkosten ab. Dafür berechnen wir dir deinen monatlichen Fixkostendurchschnitt und genau dieser Betrag bleibt jeden Monat auf dem Konto liegen. Von dem übrigen Geld legst du einerseits Rücklagen auf einem Sparkonto oder Tagesgeldkonto an und bedienst andererseits deinen persönlichen Investitionssparplan (z.B. mit Aktien-ETFs). Außerdem überweist du dir jeden Monat per Dauerauftrag ausreichend Geld auf ein separates Konsumkonto, was optimalerweise bei einer anderen Bank liegt als dein Fixkostenkonto. Von diesem Konsumkonto bezahlst du deine Einkäufe, Tankfüllungen, Bestellungen und alle anderen Ausgaben, die im Alltag aufkommen.

Warum das Ganze? Das Modell hat eine Reihe von Vorteilen, die deine Ausgaben sowohl technisch als auch psychisch beeinflussen:

  1. Auf deinem Fixkostenkonto bleibt jeden Monat genau so viel Geld liegen, wie du zur Deckung deiner Fixkosten brauchst. Der monatliche Durchschnitt deiner Fixkosten wird dir in der Auswertung unter Meine Finanzen ausgerechnet, genauso wie die Summe, die am heutigen Tag noch auf deinem Fixkostenkonto liegen muss um alle Abbuchungen zu decken. Durch die Nutzung des Monatsdurchschnitts verteilst du sämtliche Fixkosten auf alle Monate eines Jahres. In günstigen Monaten bleibt dann automatisch etwas Geld liegen, was in teuren Monaten gebraucht wird. Für dich ist dabei wichtig: alle Fixkosten sind gedeckt, und zwar durch immer dieselbe monatliche Summe. Du rutscht also nicht mehr ins Dispo und brauchst dir keine Sorgen mehr über die Zahlung deiner Fixkosten machen.
  2. Da du über dein Konsumkonto keinerlei Fixkosten bezahlst, kannst du über das Geld dort frei verfügen. Selbst wenn du es einmal am 20. eines Monats leer machst, werden bis zum Monatsende immer noch alle Fixkosten über das Fixkostenkonto gedeckt. Du kannst damit viel besser einschätzen, welche Konsumausgaben du dir leisten kannst und wofür du lieber noch etwas sparen musst. Das macht es dir außerdem leichter auf einen Blick zu sehen, wie viel Geld du jeden Monat spontan für Konsumgüter ausgibst. Idealerweise ist das Konsumkonto das einzige Konto, auf das du täglich über deine Banking Apps Zugriff hast, damit du auch nur das dort verfügbare Geld ausgibst und nichts darüber hinaus.
  3. Wer nimmt es sich nicht vor, das übrige Geld am Monatsende an die Seite zu legen? Aber wie oft klappt das wirklich? Viel sicherer ist es, wenn du gleich am Monatsanfang einen festen Sparbetrag per Dauerauftrag von einem Fixkostenkonto auf dein Sparkonto, Tagesgeldkonto oder in einen Sparplan überweist. So fühlt sich das Geld nicht mehr so frei verfügbar an und du hast gleich am 1. des Monats all deine Sparziele bedient. Im Optimalfall ist dein gespartes Vermögen zudem nicht tagtäglich für dich sichtbar und liegt eher im Hintergrund. So verringerst du die Versuchung, dein Konsumbudget einmal zu sprengen und dafür dein Sparguthaben zu plündern.

Du siehst die Vorteile des Modells? Dann such dir am besten gleich eine Bank raus, bei der du dein neues Konsumkonto eröffnest. Bei dem Team von Finanzfluss findest du einen tollen Girokontenvergleich. Dort siehst du auch, dass ein weiteres Girokonto keine zusätzlichen Kosten mit sich bringen muss. Das Mehrkontenmodell kostet dich demnach nichts außer etwas Zeit für die Umsetzung!

2. Sparen statt Schulden

Grundsätzlich gilt: Haben ist günstiger als Brauchen. Das gilt auch in der Finanzwelt. Geld leihen und damit Schulden aufnehmen kostet immer mehr, als das Geld im Voraus selber anzusparen. In manchen Szenarien ist das nicht möglich, wie bei Hauskrediten oder dem BaFöG. Die meisten der täglich genutzten und sehr teuren Konsumkredite lassen sich aber vermeiden, indem das benötigte Geld vorher beiseite gelegt wird. Oft hat das den positiven Nebeneffekt, dass Konsumentscheidungen nicht mehr spotan getroffen werden und man sich länger mit einer Anschaffung und ihrer Sinnhaftigkeit beschäftigt. Du möchtest mehr dazu erfahren? Die Expert*innen von Finanzfluss haben ein hervorragendes Erklärvideo zu dem Thema gemacht, das du hier findest: YouTube-Video anschauen.

3. Sparquote und Sparziele

Um ein eigenes Vermögen aufzubauen und damit finanziell unabhängiger zu werden, muss man einen Teil seiner Einkünfte sparen. Auch wenn der Begriff „Sparen“ einen altmodischen und spießigen Charakter hat, ist es doch unumgänglich um eigenes Kapital anzuhäufen und so teure Schulden bei wichtigen Käufen zu umgehen. Außerdem können wir nur gespartes Geld in Investitionen stecken und damit optimalerweise unser Vermögen vermehren, z.B. mit einem ETF-Sparplan.

Und wie viel solltest du sparen? Als Richtwert kannst du dir erstmal anschauen, wie viel die Deutschen im Durchschnitt sparen, nämlich im 1. Halbjahr 2022 11,1% ihrer Einkünfte (Quelle: Statistisches Bundesamt). Die Sparquote (Sparrate ÷ Einkünfte) ist ein guter Wert, an dem du dich beim Sparen orientieren kannst. In der Auswertung deiner Finanzen wird dir deine persönliche Sparquote automatisch berechnet und zusammen mit einer groben Einordnung präsentiert. Für den Start ist 10% eine tolle Sparquote, die viele mit Methoden wie dem Mehrkontenmodell ohne großen Einschränkungen einsparen können. Doch auch wenn das zunächst unmöglich scheint, ist der Anfang immer am wichtigsten. Nur wenn du den Anfang machst, kannst du ein Vermögen aufbauen und deine Sparquote Stück für Stück anheben.

Doch wofür wird überhaupt gespart? Wenn du derzeit nicht wirklich Geld auf der hohen Kante hast, dann sollte dein erstes Ziel der Notgroschen sein. Damit sind optimalerweise drei volle Monatseinkünfte gemeint, die du auf einem Sparkonto ablegst um bei unvorhersehbaren Ausgaben handlungsfähig zu bleiben und nicht ständig auf Kredite angewiesen zu sein. Die Höhe deines persönlichen Notgroschens wird ebenfalls auf der Auswertungsseite unter „Meine Finanzen“ für dich ausgerechnet. Erst wenn du deinen Notgroschen fertig zusammengespart und separat abgelegt hast, kannst du dich weiteren Sparmöglichkeiten widmen, die mehr Rendite versprechen.

Über den Notgroschen hinaus ist es immer wichtig, Sparziele zu formulieren. Ob einen tollen Urlaub, ein Eigenheim oder eine Aufbesserung der späteren Rente, du musst ein Ziel haben wofür du Monat für Monat dein Geld zur Seite legst. Überlege dir ganz konkrete Ziele und behalte sie im Blick, um eine Motivation für die Sparraten zu haben und nicht in schlechten Zeiten einzuknicken.

4. Spartricks bei Verträgen

Über die bisherigen Punkte hinaus gibt es bei laufenden Verträgen noch ein paar Tricks, mit denen du Kosten senken oder die Leistung verbessern kannst. Viele Anbieter nutzen die Trägheit ihrer Kund*innen aus und bieten standardmäßig nicht die günstigste Variante an, die die Kund*innenwünsche bereits bedient. Ein paar Beispiele:

  1. Zahlungsabstände: Oft werden Verträge günstiger, wenn du längere Abstände zwischen den Beiträgen wählst. Versicherungen beispielsweise kann man oft jährlich zahlen oder für insgesamt etwas mehr Geld auch quartalsweise oder monatlich. Je öfter du zahlst, desto teurer wird dabei die Gesamtsumme an Beiträgen. Gerade wenn du das Mehrkontenmodell nutzt und ein separates Fixkostenkonto hast, können dir die Zahlungsabstände jedoch egal sein und daher solltest du immer die längsten und damit günstigsten Abstände zwischen den Zahlungen wählen.
  2. Altverträge: Schaue in regelmäßigen Abständen ruhig einmal nach, ob es für laufende Verträge nicht bei dem einen oder anderen Anbieter inzwischen neue Angebote gibt, die dieselbe Leistung für weniger Geld liefern oder mehr Leistung für das gleiche Geld. Gerade im Technologiesektor werden Angebote immer wieder verbessert und oft informieren die Anbieter ihre Bestandskunden nicht darüber. Also: Nachprüfen lohnt sich!
  3. Standardangebote: Gerade bei Versicherungen mit vielen Versicherungspositionen, wie Hausrat- oder Krankenversicherungen, bieten Vertreter einem oft erstmal einen überdimensionierten Vertrag an, der unnötig teuer ist. Schaue dir neue Verträge daher immer genau an und prüfe auch, ob es nicht auch kleinere Varianten zu günstigeren Preisen gibt, die deinen Ansprüchen dennoch genügen. Denke auch hier daran: Anbieter hoffen immer auf die Trägheit ihrer Kund*innen!
  4. Widerrufsfristen: Wir alle kennen es – man ist in der Stadt unterwegs und wird auf einmal von einem Vertreter angehalten und bekommt ein supertolles Angebot aufgeschwatzt, das man aus Höflichkeit oder Mangel an Vergleichsinformationen unterschreibt. In solch unangenehmen Situationen klingt das Angebot dann erstmal gut und im Nachhinein kommen die Zweifel. Hör auf deine Zweifel und prüfe zu Hause immer nach, ob das Angebot wirklich so gut war wie versprochen! So abgeschlossene Verträge können fast immer innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden, was im Nachhinein viel Geld sparen kann, wenn du die ganze Geschichte nochmal in Ruhe überdenkst.

5. Sparen mit Rendite

Die meisten wissen es und auch sicher du hast schon mal davon gehört: Man kann Geld für sich arbeiten lassen. Doch wie funktioniert das?

Was Banken und Versicherungen im Großen machen, kannst du gleichermaßen und oft sehr komfortabel auch im Kleinen. Alle existierenden Werte liegen in irgendeiner Form vor, so genannten Anlageklassen („Assets“). Das können beispielsweise Euros sein, aber auch Bitcoins, Aktien, Gold, Immobilien, usw. Es gibt unzählige Arten von Vermögensformen und man muss verstehen, welche Vor- und Nachteile jede mit sich bringt. Geld in bar zu Hause oder auf dem Girokonto liegen zu haben, ist einfach weil es jederzeit verfügbar ist und wir es sofort ausgeben können, wenn wir es brauchen. Allerdings wird dessen Wert dort nicht mehr, sondern schrumpft sogar weil wir durch die Inflation jedes Jahr ein bisschen weniger für unser Geld kaufen können.

Bei anderen Werteformen ist das anders. Sicher hast du schon gehört, dass Immobilien in einigen Gegenden immer teurer werden und damit an Wert zunehmen. Der Markt erzeugt diesen Effekt, weil die Nachfrage in Deutschland permanent größer ist als das Angebot. Umgekehrt lief es beispielsweise in einigen Regionen der ehemaligen DDR kurz nach der Wende, wo die Nachfrage nach Wohnraum schlagartig einbrach und damit viele Immobilien drastisch an Wert verloren. Du merkst also, nichts ist beständig! Im Gegensatz zum Geld auf dem Girokonto lässt es sich mit Immobilien dagegen schlecht Einkaufen gehen, das Kapital ist also gebunden und nicht jederzeit verfügbar.

Zwischen Bargeld und Immobilien liegen vermutlich irgendwo die Aktien. Aktien sind Anteile an einem Unternehmen, die von diesem irgendwann einmal verkauft wurden und im Anschluss an der Börse von den Eigentümern der Aktien (den Aktionären) gehandelt werden. Der Preis einer Aktie ist in Form von Kursen jederzeit während der Handelszeiten einer Börse einsehbar und wird rein von Angebot und Nachfrage bestimmt. In erfolgreichen Zeiten steigt die Nachfrage nach Aktien eines Unternehmens und in weniger erfolgreichen Perioden sinkt sie. Wenn Aktionäre ihre Aktien zu niedrigen Kursen kaufen und zu hohen wieder verkaufen, haben sie mit der Differenz einen Gewinn realisiert. Andersrum funktioniert das natürlich genauso.

Wichtige Faktoren einer Anlageklasse sind ihr Risiko und ihre Verfügbarkeit („Liquidität“). Aktien eines Unternehmens haben ein hohes Risiko des Werteverlustes, ermöglichen dafür bei steigenden Kursen auch höhere Renditen als die üblichen Sparmöglichkeiten. Durch Verkäufe sind sie jedoch meist schnell wieder zu Geld zu machen („liquidieren“) und damit einfacher verfügbar als eine Immobilie. Mittels ETFs kannst auch du mit kleinen Sparraten einen Einstieg in die Welt der Aktien finden. Wie das funktioniert, findest du in diesem tollen Video von dem Kanal Finanztip: YouTube-Video anschauen

Wichtig ist, dass du dich über Anlagemöglichkeiten abseits der Sparkonten informierst. Auch wenn die Zinsen gerade wieder steigen, ist eine Verteilung des eigenen Vermögens über mehrere Anlageklassen immer sinnvoll und ermöglicht höhere Renditen und damit auch einen wachsenden Wert. Vertraue dabei nicht blind auf irgendwelche Bankvertreter mit teuren Produkten, sondern informiere dich selbst und finde den Einstieg in deinen eigenen Sparplan mit niedrigen Gebühren!